Co-Dining – gemeinsam isst es schöner

Es gibt ein wundervolles Paradoxon beim Essen. Essen an sich ist etwas hochgradiges egoistisches. Etwas was ich esse, kann niemand anderes essen. In der Tierwelt lässt der Instinkt schnell Futterneid aufkommen und Fressen wird zum stressiger Akt, geprägt von Hast und Gier. Der Mensch hat es in seiner Kulturgeschichte geschafft, diesen ganz und gar asozialen Akt in ein wonnevolles Miteinander zu transformieren. Esskultur bringt uns einander näher und überwindet die Nahrungskonkurrenz. Durch die Freude, die wir bei einer gemeinsamen Mahlzeit empfinden, stehen wir heute einander nicht mehr wie Tiere futterneidisch gegenüber, sondern empfinden Verbundenheit. Etwas zu teilen, was ich danach nicht mehr für mich selber haben kann, ist ein Beweis großer Zuneigung. Vielleicht erinnert sich die/der eine oder andere aus der Schulzeit daran, welche zaghaften Geständnisse der Zuneigung zum Ausdruck kamen, wenn der Junge sich ein Herz gefasst und das Mädchen auf dem Pausenhof fragt, ob sie nicht sein Nutella-Brot teilen wollen.

Wenn wir heute in der westlichen Welt Essen teilen, erleiden wir dadurch selber keinen Mangel mehr. Wir leben im Überfluss und können deshalb geben und werden selber ausreichend satt. Dennoch auch heute noch empfinden wir eine Einladung zum Essen nach wie vor als besondere Wertschätzung unser Persönlichkeit. Gemeinsam bei Tisch zu sitzen heißt wertvolle Zeit miteinander zu teilen und den anderen Aufmerksamkeit und Anteilnahme zu schenken. Die gleiche wird uns selber auch zu teil. Was für ein schönes Gefühl, wenn wir Achtung geben und Beachtung zurück bekommen.

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